Ausstellungen
Eine Auswahl aktueller Ausstellungen und digitaler Angebote unserer ArtCard-Partnermuseen. Neue Ausstellungsempfehlungen kommen Kürze
Deutschland
Hamburger Bahnhof
Tausend Mal Berlin – Sammlung Nationalgalerie der Gegenwart
Dauerausstellung
Wohl keine Kunstszene hat sich so radikal verändert wie die in Berlin. Eine neue Sammlungspräsentation im Hamburger Bahnhof zeigt jetzt, wie die Kunst nach dem Mauerfall 1989 die Stadt eroberte und veränderte – von der eingemauerten Frontstadt zur globalen Metropole. Was aber in Berlin immer schon so war, ist, dass sich hier völlig unterschiedliche künstlerische, politische und migrantische Wege kreuzen. Mit über siebzig Werken von mehr als 50 Künstler*innen, darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Videoinstallationen, dokumentiert die Ausstellung den Mythos Berlin. Mit dabei sind Mona Hatoum, Henrike Naumann, Rirkrit Tiravanija, Katharina Sieverding, Avery Singer, Slavs and Tatars, Thomas Struth, Sung Tieu, Danh Vo und viele mehr.
Ausstellungsansicht „Tausendmal Berlin. Die Sammlung Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart“: Michel Majerus, b.o., 2000; Yarema Malashchuk & Roman Khimei, Dedicated to the Youth of the World II, 2019 (von links)
© Courtesy die Künstler*innen / Foto: Jacopo La Forgia
Weserburg, Bremen
Die Tödliche Doris
Ausstellung im Zentrum für Künstlerpublikationen
22.11.2025–04.10.2026
Die Berliner Kunstszene der 1980er-Jahre ist zurück. Im Sommer 2025 zeigte die Berlinische Galerie die Retrospektive von Käthe Kruse, Mitglied der Künstlergruppe und Band „Die Tödliche Doris”. Nun zeigt die Bremer Weserburg als erstes Museum eine ausführliche Retrospektive der gesamten Gruppe. Sie wurde im Umfeld der Punkbewegung von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen gegründet, die damals beide noch an der Berliner Hochschule der Künste studierten. Die zwischen 1980 und 1987 mit wechselnden Mitgliedern aktive Gruppe verband Strategien von Warhols Factory mit Einflüssen von Fluxus, Punk, Wave, Concept-Art sowie anarchischem und poststrukturalistischem Denken. „Doris“ war kein Star und auch keine Einzelkünstlerin, sondern ein amöbenhaftes Netzwerk, ein avantgardistisches Meme, das Musik, Noise, Light- und Stripshows, Performances, Filme, Bücher, Gossip, Möbel, Malerei, Objektkunst, Vinyl, Mode und Hörspiele produzierte – sogar eine Bewerbung für einen Sitz im Berliner Senat. Die Bremer Ausstellung zeigt, wie bahnbrechend dieses künstlerische Werk war und warum die Gruppe noch heute einen solch legendären Ruf hat.
Die Tödliche Doris auf dem Festival der Genialen Dilletanten, West-Berlin, 1981
Museum für Fotografie, Berlin
Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotogrannen
17.04. bis 04.10. 2026
Als Ise Frank 1923 den berühmten Bauhaus‑Architekten Walter Gropius heiratet, sind Wassily Kandinsky und Paul Klee ihre Trauzeugen. Für Gropius verzichtet sie auf einen eigenständigen Beruf und tritt in den Dienst des Bauhauses: als Sekretärin, Lektorin, Organisatorin und als „Partner von gleichem Rang“. Die Bauhaus‑Idee wird zu ihrem „zweiten Ich“, wie sie später sagt. Die Arbeit ihres Mannes beeinflusst sie maßgeblich; sie wirkt als Autorin und Fotografin und emigriert mit ihm in die USA. Doch für die meisten bleibt sie „Frau Bauhaus“.
Jetzt sind ihre Fotografien in einer großen Ausstellung zu sehen, die zeigt, wie kühn und avantgardistisch die Bauhaus‑Frauen fotografierten und was für Pionierinnen sie waren. Mit über 300 Fotografien aus dem Sammlungsbestand des Bauhaus‑Archivs dokumentiert die Schau erstmals umfassend die Bedeutung dieser Künstlerinnen und ihres fotografischen Werkes. Das Spektrum reicht dabei von gegenständlichen Porträts und Architekturfotografien bis hin zur abstrakten, experimentellen Fotografie. Vertreten sind prominente Positionen wie Marianne Brandt sowie zahlreiche Fotografinnen, deren Werke ikonisch wurden, die selbst jedoch in Vergessenheit geraten sind.
Städel, Frankfurt
Elmgreen & Dragset
Stillleben mit Gemüse
11.06.–17.01.2027
Die Wahl- Berliner Michael Elmgreen und Ingmar Dragset arbeiten seit Mitte der 1990er‑Jahre zusammen und zählen zu den einflussreichsten queeren Künstlern der Gegenwart. Die beiden sind im weitesten Sinne Bildhauer, arbeiten aber ebenso mit Installation, Performance und Architektur. „Queer“ bedeutet hier auch, dass sie sich mit ihrer Kunst und ihren Interventionen immer wieder querstellen, den historischen und politischen Kontext von Orten und Institutionen thematisieren und diese oft mit Humor kritisch hinterfragen. Das tun sie nun auch im Städel mit „Stillleben mit Gemüse“.
Die Besucher stoßen an unerwarteten Stellen auf Skulpturen und Installationen von Elmgreen & Dragset, die mit der Architektur und der über 700 Jahre umfassenden Sammlung des Städel Museums interagieren. Dabei werden die Konventionen des Kunstbetrachtens, des Sammelns und Repräsentierens kräftig aufgerüttelt und der Blick auf oft übersehene Details gelenkt. Man kann sich dabei auf eine Art Schatzsuche begeben: Zwei große Installationen in der Sammlung Gegenwartskunst bilden den Kern der Präsentation, die sich mit Skulpturen und Interventionen der Künstler durch das gesamte Haus bis in die benachbarte Liebieghaus Skulpturensammlung entfaltet.
Foto: Studio Elmgreen & Dragset
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Kunsthalle Bielefeld
Geteilte Ansichten. Kunsthalle Bielefeld x Sammlung KiCo
Teil I: Vom Teilen und Geteiltsein
Bis 02.10.2026
In Zeiten, in denen Egoismus und das Recht des Stärkeren immer mehr in den Vordergrund rücken, dreht die Kunsthalle Bielefeld den Spieß einfach mal um. Hier geht es nämlich um das Teilen. Was ist, fragt die Ausstellung, die in Kooperation zwischen der Sammlung der Kunsthalle und der Sammlung KiCo entstand, wenn wir wirklich teilen: Ideen, Räume, Verantwortung? Dieser Gedanke passt zu der Sammlung KiCo, die 2009 von Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer ins Leben gerufen wurde. Und zwar mit der Zielsetzung, nicht einfach nur eine private Sammlung zu sein, sondern sich in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen kontinuierlich weiterzuentwickeln und auch in diesem Kontext die Ankäufe zu planen. Zuvor waren das Kunstmuseum Bonn und die Städtische Galerie im Lenbachhaus Partnermuseen, jetzt ist die Kunsthalle Bielefeld dran. Dass wir gemeinsam stark sind, sieht man auch an der fulminanten Liste der Künstler und Künstlerinnen, zu der unter anderem Georg Baselitz, Thomas Bayrle, Monica Bonvicini, Thomas Demand, Nicole Eisenman, Maria Lassnig, Charlotte Posenenske, Gerhard Richter oder Wolfgang Tillmans gehören.
Thomas Demand, Zaun, 2014, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Sammlung KiCo © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Europa
Fondazione Prada, Mailand
Hito Steyerl: *The Island
Bis 30.10.2026
„The Island“, Hito Steyerls ortsspezifisches Projekt für das Osservatorio in der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand, ist eine komplexe Filminstallation. Sie verknüpft unterschiedliche Erzählungen miteinander, die alle mit dem Motiv der Überschwemmung assoziiert sind und dringliche Themen wie die aktuellen autoritären Tendenzen, den Einsatz von KI, die Klimakrise und den politischen Druck auf die Wissenschaft aufgreifen. Der 26‑minütige Film, der auf der dalmatinischen Insel Korčula gedreht wurde und voller Animationen ist, bildet das Zentrum der Ausstellung und wurde eigens für Mailand realisiert. Der deutsche Schauspieler Marc Waschke, der öfter in Steyerls Filmen mitmacht, spielt einen tragikomischen Superhelden, der in einem Flash‑Gordon‑Kostüm und mit einem Star‑Wars‑Schwert die Welt retten muss. Es geht um Archäologie, Quantenphysik und Faschismus. „Und all das auf einer kleinen Insel in Dalmatien an der Adria. Alle diese Elemente knallen in dieser Installation aufeinander, die hoffentlich auch Kindern eine Freude bereitet“, sagt Steyerl. Dabei prallen auch unterschiedliche Zeiten aufeinander: eine medial verwirrte, kapitalistisch verzerrte und technologisch‑disruptive „Fake Time“ und „Deep Time“ – die Tiefenzeit des verborgenen geologischen Erfahrungsraums, eine Unterwasserzeit, die außerhalb des künstlich geschaffenen Spektrums des Menschen liegt.
The Island” by Hito Steyerl, Osservatorio Fondazione Prada, Milan. Photo: Andrea Rossetti, Courtesy Fondazione Prada
Fondazione Prada, Venedig
Helter Skelter: Arthur Jafa und Richard Prince
09.05.–23.11.2026
Die von Nancy Spector kuratierte Ausstellung ‚Helter Skelter‘ setzt die Werke zweier bedeutender amerikanischer Künstler, Arthur Jafa (geb. 1960) und Richard Prince (geb. 1949), in einen künstlerischen und konzeptionellen Dialog. Obwohl sie im Abstand von einem Jahrzehnt geboren wurden, teilen beide eine gewisse Ruchlosigkeit, wenn es um die Aneignung und Manipulation von Bildern geht. Die von ihnen genutzten Quellen reichen von Filmen, Pulp-Fiction und Comics über YouTube-Videos, Science-Fiction-Geschichten, Albumcover und Rock-’n’-Roll-Poster bis hin zu Erstausgaben der Beat-Literatur, Wochenschauen, Celebrity-Memorabilia oder Social-Media-Posts.
Beide Künstler setzen sich intensiv mit der amerikanischen Popkultur auseinander und legen deren Abgründe und Täuschungen offen, während sie sich zugleich vieler ihrer Mythen und Perversionen bedienen. Jafas Filmarbeiten und Installationen spiegeln seine Identität als Afroamerikaner wider und verfolgen gleichzeitig das Ziel, das schwarze Kino und die schwarze Kunst zu beleben; Princes Werke oszillieren zwischen der Kritik an weißer Männlichkeit und der Faszination für die dunklen Seiten der amerikanischen Psyche. Die Ausstellung präsentiert mehr als fünfzig Werke, darunter Fotografien, Videos, Installationen, Skulpturen und Gemälde. Darüber hinaus werden neue Arbeiten beider Künstler sowie ein gemeinsam konzipiertes Zine gezeigt.
Arthur Jafa, Mickey Mouse was a Scorpio, 2017 (detail). Private collection © Arthur Jafa / Midnight Robber © Photo: Ian Watts.TV. Richard Prince, Graduation, 2018. Collection of Larry Gagosian © Richard Prince
Tate Modern, London
Frida: The Making of an Icon
Bis 03.01. 2027
Sie ist eine der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts: Frida Kahlo. Nicht nur Madonna liebt sie, sondern die ganze Welt. Diese Ausstellung beantwortet alles, was Sie jemals über Frida Kahlo wissen wollten und nie zu fragen wagten. Frida: The Making of an Icon zeichnet Kahlos außergewöhnlichen Aufstieg von einer relativ unbekannten Malerin zu einem weltweiten kulturellen Phänomen nach. Dabei untersucht die Schau, wie Kahlos Leben und Schaffen nachfolgende Generationen beeinflussten sowie Stile und Strömungen inspirierten. Zu den mehr als 30 Werken von Kahlo gehören selten gezeigte Selbstporträts, Fotografien und persönliche Gegenstände. Doch die Ausstellung geht noch einen Schritt weiter und zeigt Kahlos Werke im Dialog mit modernen und zeitgenössischen Künstlerinnen aus aller Welt, die sich von ihr inspirieren ließen. Neben einigen ihrer berühmtesten Selbstporträts sind auch Fotografien und Archivmaterial zu sehen, darunter Kahlos Tehuana-Kleider und wertvolle Schätze aus ihrer persönlichen Sammlung. Blockbuster-Feeling ist garantiert.
Frida Kahlo,Untitled [Self-portrait with thorn necklace and hummingbird]1940. Nickolas Muray Collection of Mexican Art
Amerika
ICA Miami
Harmony Korine: Perfect Nonsense
Bis 04.10.2026
Harmony Korine war von Anfang an legendär. Gerade einmal 19‑jährig schrieb er das Drehbuch für Larry Clarks ‚Kids‘ (1995), einen schonungslosen, grandiosen Film über die Skater‑ und Jugendkultur im New York der 1990er‑Jahre – über Drogen, Sex, Aids und Depression. Korine wusste, worüber er schrieb. Die minderjährigen Darsteller, darunter Chloë Sevigny, waren Laien und authentische „Kids“ und wurden auf der Straße gecastet. Der Film löste auch wegen der expliziten Szenen Skandale aus, ebenso sein eigenes Regiedebüt ‚Gummo‘ (1997).
Korine schuf anschließend weitere Filme, darunter ‚Mister Lonely‘ (2007), ‚Spring Breakers‘ (2012) und ‚The Beach Bum‘ (2019). Außerdem drehte er Musikvideos für Rihanna, Sonic Youth und Cat Power. ‚Perfect Nonsense‘ ist die erste große Museumsausstellung in den USA, die sich dem legendären und facettenreichen Werk von Korine widmet. Die Ausstellung zeichnet seinen gesamten Werdegang nach und vereint über 50 Werke, darunter Malerei, Fotografie, Collagen, Zines und Zeichnungen. Sie verortet sein Schaffen in einem breiten Kontinuum der Bildproduktion, das die Grenzen zwischen Kino, zeitgenössischer Kunst und Popkultur aufhebt.
Harmony Korine, Shirley’s Temple, 2016.
Craig Robins Collection.
New Orleans Museum of Art, New Orleans
Robert Gordy: Outside the Mainstream
Bis 11.10.2026
Der aus Louisiana stammende Robert Gordy (1933–1986) war ein einzigartiges Phänomen, eine Art Solitär in der US‑Malerei. Seine grafisch‑eleganten, oft ornamentalen Gemälde erinnern an Art Deco und Surrealismus, nehmen aber bereits in den 1960er‑Jahren die postmoderne Malerei vorweg. Häufig wurden sie auch dem sogenannten „Pattern & Decoration Movement“ der 1970er Jahre zugerechnet. Die Bewegung setzte sich aus Künstlerinnen und einigen Künstlern zusammen, die zuvor in den abstrakten Kunstströmungen der 1960er Jahre aktiv gewesen waren. Sie reagierte auf den westlich und männlich geprägten Kanon der Moderne und Nachkriegsmoderne, der zu einer Marginalisierung nicht‑westlicher und femininer Kunst‑ und Kunsthandwerksformen geführt hatte. Die oft feministisch engagierten Künstlerinnen wollten das Interesse an „minderwertigen“ oder als trivial empfundenen Formen, Mustern und Dekoren wiederbeleben.
Gordy bestand allerdings auf Unabhängigkeit und sagte, er ziehe es vor, „außerhalb des Mainstreams“ zu arbeiten. In den 1970er und 1980er Jahren war er für seine meisterhaften Kompositionen sowie für das raffinierte Zusammenspiel von Raum, Linie und Farbe bekannt, nahm an der Whitney‑Biennale und anderen großen Ausstellungen teil, und das New Yorker PS1 widmete ihm eine Einzelausstellung. Obwohl er heute vor allem für seine Druckgrafiken und späten Monotypien bekannt ist, arbeitete er im Laufe seiner Karriere mit einer Vielzahl von Medien.
Diese Ausstellung, die erste umfassende Präsentation des Werks des Künstlers im New Orleans Museum of Art seit über vier Jahrzehnten, zeigt eine Auswahl aus Gordys Schaffen von den 1950er Jahren bis zu seinem frühen Tod durch AIDS im Jahr 1986.
Robert Gordy, Rimbaud’s Dream #2, 1971
New Orleans Museum of Art
MCA Chicago
Kenzi Shiokava
27.06.2026 – 31.01.2027
Kenzi Shiokava wurde 1938 als Kind japanischer Eltern in Brasilien geboren und zog 1964, als der Militärputsch begann, nach Los Angeles. 50 Jahre lang drehte sich sein bildhauerisches Schaffen um die Wiederverwertung und Umgestaltung ausrangierter Materialien. Sein Atelier, ein ehemaliges Lagerhaus in Compton, das selbst schon ein Gesamtkunstwerk war, quoll über vor Fundstücken und Materialien, die er in Secondhandläden, auf der Straße oder am Strand sammelte. Darunter waren auch Telefonmasten, Treibholz und Plastikfiguren, die er in hölzerne Totems und Assemblagen transformierte. Shiokavas reduzierte Werke haben eine minimalistisch-meditative Ausstrahlung und bringen das zum Vorschein, was er als „innere Bewegung“ bezeichnete, die er in alltäglichen Gegenständen fand.
Die Schau im MCA ist seine erste institutionelle Einzelausstellung überhaupt und vereint rund 50 Skulpturen von den 1970er-Jahren bis in die 2010er-Jahre. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen abstrakte, akribisch aus Holz geschnitzte Totems und rätselhafte Kasteninstallationen, die den transkulturellen Charakter von Shiokavas Arbeit unterstreichen, in der sich Einflüsse von Candomblé, Katholizismus und Zen-Buddhismus vereinen.
Installation view,Made in L.A. 2016: a, the, though, only, June 12–August 28, 2016, HammerMuseum, Los Angeles. Photo: Brian Forres
Asia-Pacific
NVG, Melbourne
Ragnar Kjartansson: Mercy
Bis 04.10.2026
Der isländische Performancekünstler und Maler Ragnar Kjartansson stammt aus einer Familie von Künstlern, Autoren, Theaterfachleuten und Darstellern. Seine perfekt inszenierten Videoarbeiten gleichen Mini-Dramen oder Balladen über das Leben. Fast immer wird musiziert und über existenzielle Dinge gesungen: über Liebe, Scheitern und Trennung – mit einem Augenzwinkern, aber auch mit Tränen. 2013 ließ er für „A Lot of Sorrow“ die Band The National in einer Ausdauerperformance vor dem New Yorker PS1 sechs Stunden lang ihren Hit „Sorrow“ spielen.
Kjartanssons Filme zitieren eine Vielzahl stilistischer Einflüsse: von choreografierten Musikvideos und Live-Musikdarbietungen über amerikanische Videokunst der 1970er-Jahre bis hin zu Bühnentraditionen wie Oper und Ballett. Dabei übernimmt er selbst immer wieder die Hauptrolle – als Singer-Songwriter, Rokoko-Dandy, Rock ’n’ Roller oder Troubadour, wie in seinem jüngsten Werk „Sunday Without Love“ (2025). Das Setting erinnert an Georges Seurats neoimpressionistisches Gemälde „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ (1884–86); die Akteure sind in bäuerliche Tracht gekleidet. Kjartansson singt darin eine eigene Version von „Ohne Liebe leben lernen“, einem 1996 entstandenen Klassiker des Hamburger Punk-Idols Rocko Schamoni. In dem Video „Me and My Mother“ bittet er seine Mutter, die Schauspielerin Guðrún Ásmundsdóttir, ihm wiederholt ins Gesicht zu spucken. Sie erfüllt diese Aufgabe so, wie man es sich nur von einer Mutter vorstellen kann, die fest an die künstlerische Vision ihres Kindes glaubt. Mit acht Videoinstallationen garantiert die Ausstellung eine emotionale Achterbahnfahrt.
Ragnar Kjartansson, Sunday without Love, 2025
Single Channel Video, Sound
Courtesy of the artist, i8 Gallery Reykjavik and Luring Augustine, New York